Geschichte, Trüffel, Foie Gras, Wein, Martin Walker und mehr, das ist der Périgord
Männlich oder sächlich?
Französisch „le“, also „der“ Périgord, wird er hierzulande aber auch „das“ Périgord genannt. Egal, ob männlich oder sächlich, tatsächlich ist le Périgord eine atemberaubend schöne Landschaft im Südwesten Frankreichs mit mildem Klima, fantastischer Küche und einem reichen Kulturgut.
Der Périgord ist heute unterteilt in den grünen, waldreichen Périgord Vert im Norden, in den (weißen) Périgord Blanc, der seinen Namen von den gigantischen Kalkplateaus bekam, in den Périgord Noir mit den dunklen, dichten Pinien- und Eichenwäldern sowie in jüngster Zeit in den Périgord Pourpre (purpurner Périgord), der sich um Bergerac , dem Hauptweinanbaugebiet, herum erstreckt. Wirklich einheitliche Grenzen wird man aber nicht finden.
Sämtliche Sehenswürdigkeiten des Périgords aufzuzählen, würde den Rahmen eines dreibändigen Buches sprengen, daher an dieser Stelle nur einige der - subjektiv betrachtet -wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Region. Schwerpunkte sind dabei die zahlreichen architektonischen Erben wie Burgen und Schlösser sowie die historischen Erben der frühesten Menschheitsgeschichte und natürlich die Natur selbst.
Schönheit, Charakter, Kunst und Geschichte…
Größte und zugleich Hauptstadt der Region ist Périgueux. Sie sollte man auf keinen Fall beim Besuch im Périgord auslassen. Mit dem Wahrzeichen, der Kathedrale mit den fünf Kuppeln, den Ruinen römischer Arenen, dem Vesunna-Museum sowie der bizarren Altstadt schleicht sich Périgueux klammheimlich in das Herz eines jeden Besuchers ein. Auch in Sarlat-la-Canéda – zwischen den Tälern der Vézère und der Dordogne gelegen – sind Kunst und Historie beheimatet. Nicht umsonst wird der Ort als das französische Rothenburg ob der Tauber bezeichnet. Schon lange kein Geheimtipp mehr ist das Venedig des Périgords: Brantôme. Es liegt als eine Art Stadtinsel inmitten der Dronne und imponiert mit zahlreichen historischen Wohnhäusern, einem Felsen-Kloster, dem Jardin des Moines aus der Renaissance mit seinen atemberaubenden Mammutbäumen und einem besonders schönen Markt.
Der Ort Domme thront hoch oben auf einem Felsen über dem Tal der Dordogne und birgt zahlreiche Geheimnisse und Schätze über- und unterirdisch.
Viele Auszeichnungen wie „Les plus beaux villages de France" - das schönste Dorf Frankreichs – , „Villes et villages pittoresques" – malerischer Ort – oder „Villages de caractère du Périgord" - Ort mit Charakter, lassen darauf schließen, dass der Périgord voll mit sehenswerten Orten ist. Zu ihnen zählen unter anderem Saint-Léon-sur-Vézère, Saint-Privat, La Roque-Gageac, Limeuil oder das malerische Bourdeilles mit der alten Steinbrücke und dem interessanten Schloss.
Grafen, Barone, Ritter & Burgfräulein
Nicht nur damals, auch heute noch sind zahlreiche Schlösser und Burgen des Périgords eine Augenweide. Einige der Châteaux sind noch bewohnt, andere kann man besichtigen und wieder andere werden gerne als Filmkulisse ausgewählt. Manch ein einst imposanter Bau jedoch ist nur noch als traurige Ruine vorhanden. Allen gemein: Sie haben viel erlebt und könnten viel erzählen, wenn sie sprechen könnten… Wer jedoch auf Details achtet oder sich historische Hintergrundinformationen vor Ort besorgt, der wird in die Geheimnisse so mancher Gebäude eingeweiht. Eine der besterhaltensten Burgen ist das Château Beynac. Die mittelalterliche Höhenburg punktet mit ihrem imposanten Erscheinungsbild. Aber auch das Château de Losse bei Montignac, die größte barocke Schlossanlage Südwestfrankreichs, das Château Hautefort oder das Château de Pompadour, das Schloss der berühmten Madame de Pompadour, mit den nicht weniger berühmten Reitställen, sind nur ein Minimum dessen, was der Périgord an sehenswerten Schlössern und Burgen zu bieten hat.
Prähistorisches Savoir-vivre
Bereits der Cro-Magnon, der gegen Ende der Eiszeit lebte, wusste den Périgord zu schätzen und zu nutzen. Er trat als erster Künstler der Menschheit auf den Plan und hinterließ uns zahlreiche Höhlenmalereien. Noch heute kann man einige der Wohn- und Wirkungsstätten dieser Homo sapiens bestaunen. Da wäre zunächst die wohl bekannteste Höhle, die Höhle von Lascaux im Vézère-Tal, deren Entstehung bis zu 19.000 Jahre vor Christus zurückreicht. Leider wurden sowohl die Originalhöhle als auch die Nachbildung für den Besucherstrom geschlossen, um die Kunstwerke zu erhalten. Nicht traurig sein, der Périgord hält viele weitere interessante Höhlen mit Kunstwerken für die Besucher bereit. - Dazu zählt beispielsweise die Grotte de Rouffignac, ebenfalls im Tal der Vézère gelegen. Einst hausten hier Bären, dann diente sie den prähistorischen Künstlern, die über 300 Tierdarstellungen hinterließen, und heute wird sie von den Touristen bevölkert. Wer mehr sehen und erfahren will, begibt sich nach Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil, wo nicht nur ein Prähistorisches Museum zu finden ist, sondern auch ein gigantischer Felsen und ein beinahe leibhaftiger Cro-Magnon auf die Straße herunterschauen, die durch den Ort führt.
Fast wie eine Reise mit der Zeitmaschine erscheint der Gang hoch über der Vézère am La Roque Saint-Christophe. Hier lebten einst vor etwa 55.000 Jahren in heute schwindelnder Höhe von 80 m Menschen in einfachster Weise. Später entstanden dort eine Art Festung und eine Höhlenstadt. Heute ist ein Rundgang ein besonderes Erlebnis für Jung und Alt. Auch das in der Nähe befindliche trygloditische Dörfchen La Madeleine zählt zu den Sehenswürdigkeiten des Périgords. Nicht zuletzt sollte man die Höhle Bara- Bahau in der Nähe des durch den Schriftsteller Martin Walker bekannten Örtchens Le Bugue besichtigen. Natürlich nicht, ohne einen Rundgang durch den Ort zu machen. Hier spielen Walkers Kriminalromane von „Bruno – Chef de police“ und alle weiteren Bücher. Mit etwas Glück trifft man sogar den Schriftsteller persönlich in Le Bugue.
Großer Supermarkt der Natur
Der Périgord kann als großer Supermarkt der Natur bezeichnet werden: Maronen, Trüffel, Foie Gras, Pfifferlinge und Steinpilze sowie natürlich der Wein und der Pineau. Dazu gehören die riesigen Sonnenblumenfelder und die Weinberge, etwa um Bergerac herum, sowie die beeindruckenden dichten Pinien- und Eichenwälder. Ein wahrer Augen- und Gaumenschmaus.
Besonders schöne Panoramen bilden die Flusstäler, wie etwa das der Dordogne und der Vézère mit einmaligen Naturformationen. Neben den zahlreichen beeindruckenden Landschaftsbildern, die die Natur selber schuf, gehören die vielen von Menschenhand angelegten Parks und Gärten, die nicht selten bei Herrensitzen und Schlössern zu finden sind. Besonders beeindruckend sind die „Jardins de l'Imaginaire“ nahe Terrasson, eine Art Kunstgarten mit umwerfend schönen Wasserspielen und den zahlreichen Pflanzen.
Museen im Périgord
Ist man der Sonne überdrüssig oder erwischt gar einen der wenigen Regentage im Périgord, so bietet sich ein Museumsbesuch an. Eigentlich ist die ganze Region ein einziges Museum, dennoch seien hier einige besonders sehenswerte, teils einmalige Museen genannt. An erster Stelle steht das bereits erwähnte Prähistorische Museum in Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil. Sein Besuch kommt einer Zeitreise gleich. Eines der größten Regionalmuseen, das eine große prähistorische Sammlung beherbergt und von der Geschichte der Region zu erzählen weiß, ist das „Musée du Périgord“ in Périgueux. Mit dem militärgeschichtlichen Museum findet man in der Stadt eine etwas andere Sammlung. Im kleinen Örtchen Sorges stößt der Périgord-Reisende auf ein Trüffelmuseum und in Thiviers auf ein Museum über die Foie Gras, die Stopfleber. Nicht nur die Kleinen werden vom Puppenmuseum in Nontron begeistert sein. Wer mag, schaut sich im Ort auch noch gleich das Messer-Museum an. Raucher wie Nichtraucher zieht es ins Tabakmuseum nach Bergerac. Die Reihe könnte endlos fortgesetzt werden, aber so viel Zeit hat wohl keiner…
Egal, für welche Sehenswürdigkeit man sich entscheidet, gleich, wohin man im Périgord fährt, es gibt immer und überall Sehens- und Erlebenswertes. Der Périgord selbst ist eine einzige Sehenswürdigkeit.